Gangwechsel in einer sich verändernden Landschaft
Eine globale Perspektive der Kfz-(Rück)versicherung.
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Das Konzept der Kfz-Versicherung ist seit gut einem Jahrhundert bekannt. Allerdings hat dieser dynamische Markt seitdem rapide Veränderungen erlebt. Diese haben sich beispielsweise durch die COVID-19-Pandemie sowie ihre Auswirkungen auf Mobilitätsmuster und die Schadeninflation, durch die Telematik und das Aufkommen der "Sharing Economy", durch die zunehmende Nutzung von Elektrofahrzeugen (EVs), durch die Einführung neuer Sicherheitsfunktionen wie fortschrittlicher Assistenzsysteme (ADAS), in der jüngeren Vergangenheit durch autonomes Fahren sowie durch gesetzliche und regulatorische Änderungen ergeben.
Wir bei Swiss Re unterstützen unsere Kunden seit 1901, dem Jahr, in dem unser erster Kfz-Rückversicherungsvertrag ausgestellt wurde (siehe Abbildung unten). Fast 125 Jahre später sammeln und verbreiten wir weiterhin Erkenntnisse zu wichtigen Versicherungszweigen , um unsere Underwriting-Entscheidungen zu verbessern und unsere Kunden zu unterstützen.
1901 policy
Die Kfz-Versicherung ist ein strategisches Geschäft für unsere Kunden, da es sich um eine Pflichtversicherung handelt und sie den größten Bereich des Sach- und HUK- (Haftplicht-, Unfall- und Kraftverkehrs-) Geschäfts (engl. Property & Casualty; "P&C") darstellt. Aufgrund ihrer Bedeutung hat die Rückversicherungssparte von Swiss Re für den Bereich Casualty vor kurzem eine Überprüfung der globalen Kfz-Versicherungslandschaft durchgeführt. Der vorliegende Bericht untersucht mehrere wichtige Trends, die sich auf das Kfz-Versicherungsgeschäft auswirken, richtet sich an Entscheidungsträger auf Führungsebene, Kfz-Risikoprüfer sowie Makler in den Sparten Casualty und Kfz-Versicherung.
Ein starkes Engagement
Basierend auf unserer globalen Analyse von Kfz-Versicherungen aus verschiedenen Quellen verdienen mehrere Trends bei den Erst- und Rückversicherern eine genauere Betrachtung:
- Die kurzfristige globale Prognose von Swiss Re für Kfz-Versicherungen ist relativ positiv und weist einige länderspezifische Nuancen auf. Die Branche verarbeitet noch die Auswirkungen der COVID-19-bedingten Inflation, jedoch nimmt nach entsprechenden Preiskorrekturen auch die Intensität des Wettbewerbs zu.
- Die Einführung neuer Zölle wird sich erheblich auf die Schwere der Schadensfälle auswirken und die Reparaturkosten deutlich erhöhen, sobald die Lagerbestände an Ersatzteilen abnehmen. Dadurch erhöht sich auch der Zeitaufwand für Reparaturen, während Hersteller lokale Betriebsabläufe einrichten und die Lieferketten unter Druck geraten.
- Die Inflation im medizinischen Bereich nimmt zu, und viele Länder, darunter Indien, europäische Länder und die USA, verzeichnen deutliche Anstiege.
- Die steigende Komplexität moderner Fahrzeuge dürfte die Wartungs- und Reparaturkosten kurzfristig weiter erhöhen. Allerdings haben fortschrittliche Sicherheitsfunktionen, einschließlich ADAS, über einen längeren Zeitraum das Potenzial, die Unfallhäufigkeit zu reduzieren, was einen günstigen Einfluss auf die Rentabilität der Kfz-Versicherung weltweit haben würde.
- Während die Zahl der gefahrenen Kilometer nach den pandemiebedingten Tiefständen wieder ansteigt , haben höhere Geschwindigkeiten im Straßenverkehr und abgelenkte Fahrer zu einer Erhöhung des Unfallschweregrads und der Todesraten beigetragen, auch wenn neue Sicherheitsfunktionen zu einem Rückgang der Unfallhäufigkeit geführt haben.
- Kfz-Versicherungen in Schwellenländern wie Indien machen ebenfalls einen Wandel durch, da der steigende Wohlstand, die zunehmenden Verbreitung von höherwertigen Fahrzeugen und Elektrofahrzeugen und die Tendenz zur gerichtlichen Austragung von Streitigkeiten potenzielle Herausforderungen für ein bisher profitables Geschäftsfeld mit sich bringen.
- Chinas schnell wachsende EV-Flotte und die Entwicklung des chinesischen Versicherungsmarktes bieten ein interessantes Modell für Versicherer auf der ganzen Welt, das sie sehr genau beobachten sollten, da sie ähnliche Veränderungen in ihren eigenen Märkten erwarten.
- Eine Verschärfung der wetterbedingten Gefahren ist bisher womöglich noch nicht ausreichend in den Prämien reflektiert und könnte zu höheren Verlusten im Kfz-Kaskobereich führen.
- Die Performance im Bereich der gewerblichen Kfz-Versicherung ist weiterhin durch inadäquate Tarife und Herausforderungen wie die sog. soziale Inflation in den USA, die die Verfahrenskosten in die Höhe treiben, beeinträchtigt. Die Rolle der demografischen Veränderungen ist ebenfalls ein Aspekt, da erfahrene Mitarbeiter in den Ruhestand gehen und Berufskraftfahrer , u.a. bei Lieferdiensten, durch weniger erfahrene Mitarbeiter ersetzt werden.
Die Pandemie war ein gut dokumentierter Schock für das Kfz-Versicherungssystem. Während die Schaden-Kosten-Quoten für das Jahr 2020 insgesamt unter das bisherige Niveau absanken, wurden die Ergebnisse schon bald aufgrund von Inflations- und Lieferkettenproblemen in Mitleidenschaft gezogen. Die Versicherer reagierten mit Prämienerhöhungen.
Da die Pandemie nun vorüber ist, waren wir davon ausgegangen, dass der Kfz-Markt in den nächsten 18 Monaten zu einer normaleren Dynamik zurückkehren würde. Die Einführung neuer Zölle wird jedoch wahrscheinlich zu steigenden Versicherungskosten und in Folge zu einer Trendwende gegenüber der zuletzt rückläufigen Entwicklung der Kfz-Prämien führen.
Bevor im April 2025 die aufkommenden Handelskriege und die damit verbundenen Zölle in den Fokus rückten, hatte der Kfz-Versicherungsmarkt noch eine verbesserte Rentabilität und Anzeichen für einen verstärkten Wettbewerb aufgewiesen. Die Ungewissheit darüber, wie sich das globale handelspolitische Umfeld auf Lieferketten, Schadenkosten und die Inflation auswirken könnte, steht nun für Kfz-Versicherer im Vordergrund. Im Ergebnis bedeutet dies, dass die Herausforderungen dieses wettbewerbsintensiven Marktes bestehen bleiben und sich neue Herausforderungen zu ihnen gesellen werden, da die Mobilität einen dramatischen Wandel durchläuft. Angesichts der Volatilität, die mit diesen Änderungen einhergeht, rät unsere mittelfristige Prognose zu erhöhter Vorsicht.
Ein kritisches Segment für Versicherer und Rückversicherer
Laut einem Bericht von S&P Global Mobility stieg der weltweite Absatz von Leichtfahrzeugen im Jahr 2024 auf eine Stückzahl von knapp 90 Millionen. Die kollektive Fahrzeugflotte, die sich derzeit im Verkehr befindet, stellt das vielfältigste Sortiment seit der Erfindung des Automobils dar. Trotz dieser riesigen Vielfalt haben diese Pkw und Lkw jedoch etwas Wichtiges gemeinsam: sie sind praktisch alle, einschließlich ihrer Halter und Fahrer, im Rahmen eines obligatorischen Versicherungsvertrags abgedeckt.
Ohne Versicherung wäre das Unfallrisiko und die Gefahr potenziell lähmender finanzieller Verluste für die Fahrzeughalter zu groß, als dass sie sie selbst schultern könnten. Die Bedeutung von Kfz-Versicherungen für P&C-Versicherer ist nicht zu unterschätzen: Weltweit machen die von privaten und gewerblichen Fahrzeughaltern eingenommenen Prämien rund 40% des 2,2 Bio. USD schweren P&C-Marktes aus (siehe Abb. 1).
Diese Prämien betreffen sowohl den Versicherungsschutz im Bereich der Haftpflicht von Fahrzeughaltern für Sach- und Personenschäden, die Dritten im Rahmen von Unfällen entstehen (engl. motor third-party liability; "MTPL"), als auch den Kaskoschutz in Bezug auf Schäden am eigenen Fahrzeug (engl. motor-own damage; "MOD"), auch durch Naturkatastrophen wie Hagel und Überschwemmungen, sowie verschuldensunabhängige Versicherungsangebote für erlittene Verletzungen.
Die Kfz-Versicherung ist eine strategisch wichtige, aber auch sehr wettbewerbsintensive Branche mit historisch niedriger Volatilität und niedrigen Margen. Als Einstiegsprodukt ist sie ein Wegbereiter für Versicherer zur Vertiefung ihrer Kundenbeziehungen mithilfe anderer Versicherungsprodukte. Die zugrunde liegende Volatilität bei der Kfz-Versicherung ist insgesamt niedriger als bei anderen Versicherungstypen. Die jüngst gestiegene Inflation und die Auswirkungen extremer Wetterereignisse auf von der Kaskoversicherung abgedeckte Schäden verschärfen jedoch in vielen Ländern die Volatilität im Kfz-Sektor. Weltweit werden weniger als 5% des Pools der Kfz-Versicherungsrisiken an Rückversicherer abgegeben.
Dennoch spielt die Rückversicherung eine wichtige Rolle. Zu den Beweggründen der Erstversicherer, proportionale und nichtproportionale Rückversicherungsverträge abzuschließen, gehören die Erfordernisse der Kapitalentlastung, die Erhöhung der Zeichnungskapazität und die Unterstützung der Versicherer bei der Verringerung der Volatilität, insbesondere in Regionen, in denen hohe oder unbegrenzte obligatorische Deckungssummen für Haftpflichtschäden (engl. third-party bodily injury; "TPBI") gelten.
Bei nichtproportionalen Rückversicherungen verlassen sich die Erstversicherer beim Management ihres Risikoappetits in wichtigen Bereichen wie den folgenden auf Rückversicherer:
- Verringerung der Volatilität durch hohe oder unbegrenzte obligatorische Deckungssummen in TPBI
- Management von Risiken im Zusammenhang mit Änderungen der gesetzlichen Entschädigungsregelungen
- Schutz vor der Art von Volatilität, die mit Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Hagel oder anderen Ereignissen einhergeht, die schnell Hunderte oder sogar Tausende von Fahrzeugen zugleich betreffen können
Betrachtet man die Situation weltweit, so ist die Rentabilität von privaten Kfz-Versicherungen strukturell schwierig (siehe Abb. 2), da die Märkte durch hohen Wettbewerb gekennzeichnet sind und Verbraucher einfach Preisvergleiche anstellen können. Häufig werden Anlageerträge verwendet, um technische Underwriting-Verluste auszugleichen. Die obligatorische Kfz-Haftpflichtversicherung dient der Kundengewinnung, wobei Gewinne aus dem Verkauf von Nebenprodukten und aus anderen Geschäftsfeldern erzielt werden.
Während der Sektor hauptsächlich von lokalen Faktoren beeinflusst wird, ist er anfällig für globale Schocks. COVID-19 ist ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Während der Lockdowns blieben viele Fahrer zuhause, was die Zahl der gefahrenen Kilometer und die Häufigkeit kleinerer Unfälle verringerte. Einige Versicherer boten aufgrund des verringerten Fahraufkommens signifikante Rabatte an.
Durch pandemiebedingte Lieferkettenunterbrechungen und einen plötzlichen Preisanstieg kam es zu einem Mangel an Ersatzteilen sowie zu steigenden Reparaturkosten. Dies hatte in vielen Regionen einen wesentlichen Einfluss auf die Rentabilität der Kfz-Versicherungen, wobei die Schaden-Kosten-Quoten auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt anstiegen (siehe Abb. 3). Beispielsweise erlitten Kfz-Versicherer in den USA im Zeitraum 2022-23 laut Swiss Re Institute Verluste in Höhe von insgesamt 53 Mrd. USD. Als Reaktion darauf erhöhten die Versicherer zur Wiederherstellung ihrer Underwriting-Ergebnisse ihre Prämiensätze, nachdem die staatlichen Regulierungsbehörden diese Anhebungen genehmigt hatten. Bis Anfang 2025 hatte sich der Prämienanstieg verlangsamt, was hauptsächlich auf einen Rückgang der Inflation, eine verbesserte Underwriting-Performance und einen gestiegenen Wettbewerb zurückzuführen war. Allerdings dürften die Kosten für Fahrzeugreparaturen nun aufgrund der neu eingeführten Zölle deutlich ansteigen, sodass für Tarifierungsmodelle höhere Schadenkosten zu berücksichtigen sind. Laut Insurify, einem US-Versicherungsvergleichsportal, wird dies bei den Kfz-Versicherungen bis Ende 2025 voraussichtlich zu einer Beitragserhöhung von mindestens 8% führen.
Know Your Market: Lokale Faktoren beeinflussen die Kfz-Performance
In der Vergangenheit wurde die Performance des Kfz-Erstversicherungsgeschäfts weitgehend von den lokalen Marktgegebenheiten bestimmt, darunter die Auswirkungen gesetzlicher Änderungen auf bestehende Portfolios, die Folgen neuer Markteintritte und – mit der Intensivierung wetterbedingter Gefahren in Regionen, die von Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und der Konzentration hoher Vermögenswerte einschließlich Fahrzeugen betroffen waren – Naturkatastrophen. Beispiele für lokale Faktoren:
Im Vereinigten Königreich spielt der Ogden-Diskontsatz eine entscheidende Rolle bei der Performance der Kfz-Haftpflicht für Personenschäden Dritter. Er wird mindestens alle fünf Jahre überprüft und dient zur Berechnung der pauschalen Vergütungen für langfristige Ansprüche aufgrund von Verletzungen. So soll bei einer gleichzeitigen Berücksichtigung der Anlagerendite sichergestellt werden, dass Betroffene angemessen entschädigt werden. Eine jüngste Änderung des Ogden-Satzes, die im Dezember 2024 in Kraft trat, sollte den Druck auf die technischen Ergebnisse im Non-Life-Versicherungsbereich im Vereinigten Königreich lindern.
In den USA kann sich die staatliche Regulierung von Versicherungen auf die Fähigkeit der Versicherer auswirken, ihre Tarife anzupassen, indem sie versuchen, den Verbraucherschutz mit den Geschäftsinteressen der Versicherer in Einklang zu bringen. In einigen Fällen kann dies zu einer langsameren Umsetzung von Tarifanpassungen führen, mit abrupteren Erhöhungen, wenn die Änderungen genehmigt sind.
Die Rolle der Telematik ist von Markt zu Markt unterschiedlich. In den USA wird sie häufig eingesetzt, um Prämienstufen auf Basis des Fahrverhaltens zu berechnen, während sie im Vereinigten Königreich ein Tool ist, das einen Versicherungsschutz für jüngere, weniger erfahrene Fahrer ermöglicht. In Italien wurde die Telematik eingesetzt, um Ansprüche zu klären und einen Diebstahlschutz in Form von Blackboxes und anderen installierten Geräten zu erreichen. Südafrikanische Versicherer nutzen die Telematik, um sicherheitsbewusstes Verhalten mit Rabatten und Vorteilen seitens eines Ökosystems von Dienstanbietern zu belohnen und das Cross-Selling und die Kundenbindung zu optimieren.
Die Kraftfahrzeughaftpflicht-Richtlinie der EU hat den Rahmen für diejenigen abgesteckt, die in einem der 27 Mitgliedstaaten eine obligatorische Kfz-Versicherung abgeschlossen haben. Sie regelt ein breit gefächertes Themenspektrum, darunter die Mindesthaftpflicht für von Dritten erlittene Schäden und das Tempo der Schadensregulierung. Gleichzeitig überlässt sie die Fragen der zivilrechtlichen Haftung und der Entschädigungsberechnung den Einzelstaaten.
In den Vereinigten Staaten stellt die gewerbliche Kfz-Versicherung nach wie vor eine Herausforderung dar. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, da der Markt weiterhin im Fokus der Klägeranwälte bleibt. Laut einer Studie des Insurance Information Institute und der Casualty Actuarial Society (CAS) aus dem Jahr 2022 spielt die soziale Inflation eine überdimensionale Rolle: Von 2010 bis 2019 blähte sie die gewerblichen Kfz-Haftungsansprüche um geschätzte zusätzliche 20 Mrd. USD auf.
Die demografische Entwicklung kann eine wichtige Rolle spielen, da ein Generationswechsel unter den gewerblichen Kraftfahrern stattfindet: Jüngere, weniger erfahrene Personen übernehmen insbesondere im LKW-Fernverkehr Fahrerpositionen (siehe Abb. 6). Studien haben ergeben, dass das erste Jahr, in dem ein gewerbliches Fahrzeug gefahren wird, in Bezug auf Unfallraten, Unfallbeteiligung und Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung altersunabhängig riskanter ist. Trotz erheblicher Prämienanstiege bei der gewerblichen Kfz-Versicherung seit 2015 ist eine Wiederherstellung der Rentabilität noch nicht abgeschlossen (siehe Abb. 4 und 5).
Specific near- and medium-term trends impacting motor insurance performance
Gesundheitsausgaben und medizinische Inflation: Die Kosten für die Gesundheits- und Medizinversorgung von Personen, die bei einem Verkehrsunfall verletzt wurden, werden voraussichtlich weiter steigen. Dies gilt insbesondere für Regionen, in denen mit einem zunehmenden Mangel an medizinischen Fachkräften zu rechnen ist.
So wird für China mit einem Anstieg der medizinischen Kosten um fast 11% gerechnet, was ein zweites Jahr in Folge mit zweistelligen Zuwächsen bedeutet. Darüber hinaus stiegen die medizinischen Kosten in Indien im Jahr 2024 um über 12%. Im Jahr 2025 könnten sie aufgrund erhöhter Medizintechnikkosten und der steigenden Gesundheitsnachfrage sogar noch weiter in die Höhe schnellen. Die asiatisch-pazifische Region ist mit diesem Problem nicht allein: Laut Zahlen der US-Regierung wird es auch dort zu einem Arbeitskräftemangel in der Pflege, der Langzeitpflege und im ärztlichen Bereich kommen, wobei sich dieses Defizit bis 2037 noch weiter verschärfen wird. Auch andere Märkte wie Deutschland und das Vereinigte Königreich berichten über Personalengpässe in den Bereichen Gesundheit und Medizin, die einen zunehmenden Kostendruck verursachen könnten. Wie in der obigen Abbildung dargestellt, stieg die Gesundheitskosteninflation im Vereinigten Königreich und in Deutschland im Jahr 2024 auf rund 6% bzw. 2,8% (siehe Abb. 7).
Reparaturkosten: Während die Inflationszahlen und Herausforderungen in den Lieferketten seit ihrem COVID-19-Höchststand zurückgegangen sind, bleiben die Reparaturkosten hoch. Dies übt Druck auf die Anspruchshöhen aus (siehe Abb. 10). Die Einführung von Zöllen auf in die USA importierte Fahrzeugteile verschärft diese Situation zusätzlich. Auch Vergeltungszölle auf Fahrzeugteile, die aus den USA exportiert werden, werden diese Auswirkungen nur noch verstärken. Ein Großteil des Kfz-Reparaturmarktes ist stark von Importen abhängig. So berichtete die American Property Casualty Insurance Association (APCIA) im Februar, dass es sich bei sechs von zehn Kfz-Ersatzteilen, die für Reparaturen in Autowerkstätten in den USA verwendet werden, um Importe aus Mexiko, Kanada und China handelt. Die USA selbst exportieren Kfz-Teile und Zubehör im Wert von mehr als 41 Mrd. USD. Dies wird weltweit zu einer Erhöhung der Reparaturkosten führen, und zwar insbesondere in denjenigen Ländern, in denen die Waren empfangen werden, darunter Mexiko, Kanada, Australien, China und Deutschland. Darüber hinaus schätzt die APCIA, dass es bei den Kosten für private Kfz-Versicherungsansprüche allein zu einem jährlichen Anstieg zwischen 7 und 24 Mrd. USD kommen könnte. Die Zölle werden auch die Kosten für importierte Neuwagen weltweit erhöhen, was einen Dominoeffekt auf den Preis von Gebrauchtwagen haben wird, der in versicherungsmathematischen Modellen ebenfalls berücksichtigt werden muss.
Neben dem Anstieg der Reparaturkosten werden die Zölle auch zu einer Erhöhung der Gesamtschadenermittlung führen, da Fahrzeugreparaturen aus finanzieller Perspektive zu teuer werden. Die Zölle werden auch die Lieferketten durcheinanderbringen, und mit dem zunehmenden Schwinden der Ersatzteilvorräte werden die Reparaturkosten steigen. Die bisherigen Zölle aus dem Jahr 2018 wurden in den Preismodellen für bestimmte Kfz-Versicherungsprogramme bereits berücksichtigt, und die Angemessenheit der Sätze wird einer Neubewertung bedürfen, um den neuen Zöllen im Jahr 2025 Rechnung zu tragen. Insurify prognostiziert, dass die durchschnittlichen jährlichen Kosten einer Kfz-Vollkasko-Versicherung bis Ende 2025 um 19% steigen werden. Darüber hinaus wird ein Rückgang des grenzüberschreitenden Güterverkehrs weitere Auswirkungen auf die gewerbliche Kfz-Versicherung haben, was das Prämienwachstum einschränken könnte.
Die zunehmende Komplexität der Fahrzeuge des 21. Jahrhunderts und ihrer Reparatur erhöht den Druck auf die Kosten von Kfz-Versicherern. Bei einem prognostizierten jährlichen Wachstum der Umsätze mit Elektrofahrzeugen um 30% bis 2030 haben Studien aus den USA, Deutschland und dem Vereinigten Königreich unterschiedliche Vorhersagen zu Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge – einschließlich der Kosten im Zusammenhang mit Unfällen – ergeben (weitere Informationen zur Versicherung von Elektrofahrzeugen sind vom Swiss Re Institute erhältlich). Dies kann sich im Laufe der Zeit jedoch ändern, wenn Hersteller von Elektrofahrzeugen im Massenmarkt von Skaleneffekten profitieren. In den USA geht die Differenz zwischen Elektrofahrzeugen und neueren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor laut Mitchell, einem Enlyte-Unternehmen, hinsichtlich der Schadenshöhe zurück. Im vergangenen Jahr betrug die durchschnittliche Schadenshöhe bei neueren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und mehr Bordtechnologie 6.127 USD. Das Schadensausmaß für reparierbare Elektrofahrzeuge lag in den USA im Vergleich dazu bei 6.236 USD, was gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang um 3% entsprach. Laut den Zahlen aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich kostet dort die Reparatur eines Elektrofahrzeugs ganze 35% mehr und kann 14% länger dauern als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass alle Fahrzeuge immer komplexer werden, was die Hightech-Funktionen und die hoch entwickelte, teuer zu ersetzende Elektronik betrifft. Darüber hinaus wird die Versicherungsbranche, wenn sie mit Elektrofahrzeugen besser vertraut sein wird, in der Lage sein, den Reparaturbedarf besser zu beurteilen und die Deckung wettbewerbsfähiger zu gestalten.
Änderungen des Versicherungsschutzes: In den verschiedenen Ländern gelten unterschiedliche Regelungen bezüglich der Mindestdeckungsanforderungen, die sich erheblich auf den Versicherungsschutz auswirken können. In den USA beispielsweise erhöhen mehrere Bundesstaaten, darunter Kalifornien, North Carolina, Virginia, Maryland und Utah, die Anforderungen an die Mindestdeckung. Dabei handelt es sich um die erste Aktualisierung dieser Art seit 56 Jahren. Diese Anpassungen spiegeln zwar die steigenden Unfallkosten wider, könnten jedoch zu erhöhten Prämien für diejenigen Fahrer führen, die nur über die Mindestdeckung verfügen, sowie zu potenziell aggressiveren Rechtsstreitigkeiten, da eine höhere Deckung den Anreiz für mehr Gerichtsklagen erhöht. Ebenso wurde in Deutschland darüber diskutiert, die Mindestdeckungsgrenzen anzupassen, um die aktuellen Fahrzeugreparaturkosten und Sicherheitsstandards besser widerzuspiegeln.
Im Vereinigten Königreich sollten Änderungen an der Schleudertrauma-Reform jedoch zu einer Reduzierung des Prämienniveaus führen, da alle Schleudertraumata und kleineren psychischen Schäden, die weniger als zwei Jahre andauern, nach einem Festtarif entschädigt werden (siehe Abb. 12).
Traditionell wurden in Entwicklungsländern wie Indien versicherungsvertragliche Texte, Strukturen und Prämien standardisiert und durch eine hohe Tarifregulierung geregelt. Seit 2007 hat die Insurance Regulatory and Development Authority of India (IRDAI) jedoch damit begonnen, Kfz-Versicherungen von Tarifregelungen zu befreien, beginnend mit der Kaskoversicherung. Nun können Versicherer ihre eigenen Prämiensätze auf der Grundlage von Marktbedingungen und Risikobewertungen festlegen. Die Kfz-Haftpflicht bleibt jedoch reguliert. Diese Umstellung hat auch den Wettbewerb erhöht und zu einer breiteren Palette an Kfz-Versicherungsprodukten geführt, darunter nutzungsbasierte Versicherungen, Zusatzversicherungen und mehrjährige Policen für Motorradfahrer sowie technologische Verbesserungen wie Telematik, um den Versicherungsprozess zu verbessern und Risiken genauer zu beurteilen. Die Wettbewerbslandschaft hat auch zu Herausforderungen geführt, darunter vermehrte Fälle betrügerischer Ansprüche, die sich in einigen Ländern auf 15 bis 20% belaufen können und zuverlässige Prozesse für das Schadensmanagement erforderlich machen. Ein ähnliches Szenario kam in China ab 2006 zum Tragen, als die China Insurance Regulatory Commission (CIRC) einen schrittweisen Deregulierungsprozess einleitete, der Versicherungsgesellschaften mehr Flexibilität bei der Preisgestaltung von Kfz-Versicherungsprodukten ermöglichte und zu Innovationen bei Produktangeboten führte, einschließlich maßgeschneiderter Policen und nutzungsbasierter Versicherungsprodukte.
Fahrzeit und Unfallhäufigkeit: Trotz eines anfänglich deutlichen Anstiegs bei den gefahrenen Kilometern seit der Lockerung der COVID-19-Lockdowns sind die zurückgelegten Fahrstrecken in vielen Märkten immer noch nicht auf das Niveau von 2019 zurückgekehrt (siehe Abb. 11). Dies ist zumindest teilweise auf anhaltende Veränderungen am Arbeitsplatz, einschließlich Home-Office-Vereinbarungen, zurückzuführen. Der Trend, Mitarbeiter wieder ins Büro zu bringen, könnte jedoch in den kommenden Jahren zu einer Erhöhung der gefahrenen Kilometer führen. Gleichzeitig haben Sicherheitsverbesserungen bei Autos – insbesondere in Verbindung mit ADAS für Neufahrzeuge, wie sie in der EU bereits in Kraft sind, oder US-Vorschriften, die ab 2029 automatische Notbremssysteme vorschreiben – das Potenzial, die Unfallhäufigkeit über einen längeren Zeitraum zu verringern. In vielen Ländern, wie in Deutschland und den USA, ist die erhöhte Unfallbelastung durch Fahrer, die sich durch Faktoren wie In-Car-Entertainment-Systeme, Mobiltelefonnutzung, Essen und Trinken und sogar Körperpflege ablenken lassen, ein besorgniserregender Trend für Versicherer und Rückversicherer.
In wachsenden Volkswirtschaften wie Indien ist die Sicherheit im Straßenverkehr eine dringende Sorge. Trotz eines mit europäischen Ländern vergleichbaren Durchschnittsabstands zwischen Fahrzeugen hat die Zahl der Verkehrsunfälle und der Todesopfer in Indien einen neuen Höchststand erreicht. Es kommen dort im Straßenverkehr jedes Jahr zwischen 150.000 und 178.000 Menschen ums Leben, was vor allem auf geparkte Lkw, mangelnde Fahrbahndisziplin, Motorradfahrer ohne Helme und ignorierte Verkehrsregeln zurückzuführen ist. Die nationalen Straßenverkehrsvorschriften, der technologische Fortschritt und das öffentliche Bewußtsein sollten jedoch dazu beitragen, die Zahl der Verkehrsunfälle in den kommenden Jahren zu reduzieren. In China, das einen raschen Anstieg der Zahl der Fahrzeuge, Fahrer und zurückgelegten Entfernungen verzeichnet hat, ging die Anzahl der größeren Unfälle und Todesfälle 2024 laut dem Ministerium für Notfallmanagement im Jahresvergleich um fast 50% zurück.
Zinssätze: Die durch die eskalierenden Handelsspannungen ausgelöste allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung dürfte die Kauf- und Investitionsentscheidungen von Unternehmen und Verbrauchern verzögern (siehe Abb. 8).
Die Zentralbanken werden die Zinssätze 2025 weiter senken, wobei die Handelsspannungen einen größeren asymmetrischen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben als auf die Inflation. Insbesondere in der Eurozone und in China werden die Zinssätze im Vergleich zu den USA relativ niedriger sein, was sich auf die Anlagerenditen von Versicherern wie auch Kfz-Versicherern auswirken wird.
Die Renditen langfristiger Staatsanleihen dürften jedoch sowohl in den USA (hartnäckige Inflation und steigende Inflationserwartungen) als auch in Europa (höhere Staatsausgaben, insbesondere in Deutschland) eine natürliche Untergrenze aufweisen und im Vergleich zu den Zinsen aus dem Jahrzehnt vor COVID-19 hoch bleiben.
Gefahrenintensivierung: Zunehmende Verluste durch wetterbedingte Naturkatastrophen stellen die Rentabilität der Kfz-Produktportfolios von Versicherern, die aufgrund des rauen Wettbewerbs bereits nur geringe Margen verzeichnen, vor zusätzliche Herausforderungen. So führte der Hagelsturm im August 2024 im kanadischen Calgary zu erheblichen Kfz-Schäden. Schätzungen zufolge belaufen sich die versicherten Kfz-Schäden aus diesem Ereignis auf ca. 1 Mrd. CAD. Darüber hinaus haben heftige Hagelstürme in Europa, Nordamerika und Asien in den letzten Jahren weitreichende Schäden verursacht, so auch an Fahrzeugen, was in einigen Fällen zu Verlusten führte, die die ursprünglichen Erwartungen weit übertrafen. In Indien steigen die Schadensfälle bei Kfz-Versicherungen in der Monsunsaison zwischen Juni und September um bis zu 40% an, was auf eine Zunahme der Unfälle und der kaskoversicherten Schäden zurückzuführen ist. Ein weiteres Beispiel ist die unerwartete Überschwemmung in Dubai im vergangenen Jahr, die Tausende von Fahrzeugen zerstörte. Wie bei den jüngsten Waldbränden in Los Angeles führte die kurze Evakuierungsvorlaufzeit in Verbindung mit den hochwertigen Vermögenswerten in Dubai zu einem höheren Anteil des Kfz-Sektors am Gesamtverlust als gewöhnlich. Darüber hinaus sorgten sich viele Einwohner Dubais um mögliche Hagelschäden. Sie stellten ihre Autos in unterirdischen Garagen ab, was sie extrem anfällig für Überschwemmungen machte und letztendlich die Schäden im Kfz-Versicherungsbereich noch erhöhte.
"CASE" ist zukunftsweisend
In den nächsten zwei Jahrzehnten werden sich Kfz-Versicherungen und Unternehmen, die diesen Schutz bieten, weiterentwickeln müssen, um die Herausforderungen und Chancen eines Mobilitätssektors zu meistern, der sich in einem raschen Wandel befindet. Die Fahrzeuge der Zukunft werden stärker vernetzt, autonom, geteilt und elektrisch (engl. connected, autonomous, shared and electric; "CASE") sein, und die Versicherungsbranche muss sich dieser neuen Realität anpassen.
Vernetzt (Connected): Die zunehmende Verbreitung der Telematik wird es Versicherern ermöglichen, die großen Datenmengen an Fahrverhalten (bis 2023 hatten Versicherer bereits Daten von über 20 Millionen vernetzten Fahrzeugen und Fahrern erhalten) zu nutzen, um noch tiefere Einblicke in das Fahrverhalten von Fahrern zu gewinnen (siehe Abb. 13 und 14). So können sie Risiken besser mindern und die Performance ihrer Kfz-Portfolios verbessern. Dies haben Versicherer, die diese Technologie einsetzen, nach mehr als einem Jahrzehnt Erfahrung bereits aufgezeigt.
Autonom (Autonomous): Obwohl die Schätzungen variieren, besagen einige Prognosen, dass bis 2040 25% oder mehr der neu verkauften Fahrzeuge entweder semi- oder vollautonome Fahrzeuge (AV) sein werden (siehe Abb. 15). Folglich könnte mittelfristig eine Verlagerung hin zu Produkthaftpflichtversicherungen zu beobachten sein. Dies wird sich wahrscheinlich nicht nur auf die Hersteller von AV-Fahrzeugen, sondern auch auf deren Zulieferer auswirken, einschließlich solcher, die Systeme bereitstellen, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basieren und eine neue Generation selbstfahrender Fahrzeuge leiten. Dennoch gibt es Belege dafür, dass autonome Fahrzeuge sicherer sein können als moderne, von Menschen gelenkte Fahrzeuge. Eine Studie von Swiss Re und Waymo zeigt im Bereich autonomes Fahren einen Rückgang der Schadenersatzansprüche um 88% und einen Rückgang der Körperverletzungsansprüche um 92%. Ein Bereich, den Versicherer im Auge behalten sollten, betrifft die Wahrnehmung der Verbraucher darüber, wer schuld ist, wenn ein selbstfahrendes Fahrzeug in einen Unfall verwickelt ist.
In einer 2023 veröffentlichten Studie fanden Forscher der Swiss Re und der Harvard Business School unter der Leitung von Professor Julian De Freitas heraus, dass viele Verbraucher Unternehmen, die selbstfahrende Fahrzeuge produzieren, eine weitreichendere Haftung für unverschuldete Schäden zuschreiben als Unternehmen, die von Menschen gesteuerte Fahrzeuge herstellen, bzw. den menschlichen Fahrern. Wenn nun Verbraucher dazu neigen, Herstellern von selbstfahrenden Fahrzeugen für identische, unverschuldete Unfälle eine weitreichendere Haftung zuzuschreiben als Herstellern von von Menschen gesteuerten Fahrzeugen, dann hat dieser Befund sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche Auswirkungen – und Folgen für Versicherer. Im Laufe der Zeit wird die zunehmende Verbreitung selbstfahrender Fahrzeuge wahrscheinlich die Wahrnehmung der Verbraucher dieser Fahrzeuge „normalisieren“, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Voreingenommenheit hinsichtlich der Frage, wer bei einem Unfall zur Verantwortung zu ziehen ist, verringert werden kann.
Geteilt (Shared): Der Fahrzeugbesitz selbst verändert sich, teilweise angetrieben durch den Ausbau der so genannten Sharing Economy (siehe Abb. 16). Sharing Economy-Geschäftsmodelle implizieren eine Verschiebung der betrieblichen Risiken und einen Bedarf an neuen Arten des Versicherungsschutzes. Auch der Generationenwechsel begünstigt diese Entwicklung, da jüngere Verbraucher der Generation Z angeben, dass der Autobesitz für sie weniger wichtig sei als für ältere Menschen der Baby-Boomer-Generation – zumindest vorerst. Dennoch gehen wir davon aus, dass Carsharing nur einen Bruchteil der Prämienverlagerung von privaten zu gewerblichen Kfz-Versicherungen ausmachen wird, deren Umsatz laut Allied Market Research bis 2033 auf 390 Mrd. USD ansteigen und sich damit mehr als verdoppeln dürfte. Trotz der Underperformance in den letzten Jahren aufgrund der sozialen Inflation kann der gewerbliche Kfz-Bereich wieder profitabel werden, beruhend auf Investitionen in Technologien zur Erhebung von Daten und zur Verbesserung des Risikoverständnisses.
Elektrisch (Electric): Da der Fahrzeugtransport zu den derzeit größten Quellen für Treibhausgasemissionen zählt, haben die durch das Pariser Abkommen 2015 festgelegten Reduzierungsziele für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO₂) den Verkauf von hybriden und akkubetriebenen Elektrofahrzeugen beflügelt. Der Absatz von Pkw mit Akkuantrieb (BEV) wird nach manchen Schätzungen 2025 voraussichtlich rund 15,1 Mio. Fahrzeuge erreichen, was einigen Schätzungen zufolge einem Anstieg von 30% gegenüber dem Stand von 2024 entspricht. Bis 2035 könnte es sich bei der Hälfte aller verkauften Wagen um Elektrofahrzeuge handeln. China ist hier derzeit führend, da dort der Absatz aller Arten von Elektrofahrzeugen (einschließlich Busse, Pkw und Lkw) im Jahr 2024 um 4,5% auf 31,4 Mio. Einheiten stieg.
Global gesehen trägt die zunehmende Komplexität von Elektrofahrzeugen zu höheren Reparaturkosten und steigenden Versicherungsverlusten bei. Einem von Thatcham im Jahr 2023 veröffentlichten Bericht zufolge können die Kosten für die Reparatur eines BEV im Vereinigten Königreich um 25% höher sein als die eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor, da es kein spezialisiertes Reparaturnetz gibt, das Verhältnis von Austausch zu Reparatur höher ist und die Lieferung von Ersatzteilen länger dauert. Laut einem Bericht des deutschen Gesamtverbands der Versicherer (GDV) aus dem Jahr 2024 kostet jeder Schadensfall bei Elektrofahrzeugen durchschnittlich bis zu 25% mehr als bei vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Darüber hinaus sind Akkus ein wesentlicher Faktor in Bezug auf die Schadensschwere. In den schwerwiegendsten Fällen, in denen Elektrofahrzeuge Feuer fangen, sind diese Brände schwerer zu löschen als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, und das Risiko einer erneuten Entzündung ist höher.
Unglücklicherweise haben EV-Fahrer oft eine höhere Schadenshäufigkeit. In China sehen wir, dass die Unfallquote bei Elektrofahrzeugen fast doppelt so hoch ist wie bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Zum Teil liegt dies am höheren Anteil der Elektromobilität im gewerblichen Bereich, einschließlich Carsharing, und am Unterschied im Fahrverhalten, an den man sich erst gewöhnen muss, da diese Fahrzeuge schneller beschleunigen. Die Statistiken zeigen deutlich, dass im ersten Jahr die Häufigkeit und damit die Verlustquoten höher sind. Positiv ist jedoch, dass ADAS Unfälle sowohl bei Elektrofahrzeugen als auch bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor reduzieren wird. Tatsächlich prognostiziert die US National Highway Traffic Safety Administration, dass 62% aller Verkehrsunfälle verhindert werden können, wenn alle Fahrzeuge mit wirksamer ADAS-Technologie ausgestattet sind. Eine Studie aus den USA ergab auch, dass ADAS die Unfallhäufigkeit um mehr als 23% reduzieren könnte.
Viele der Faktoren, die die Schäden bei Elektrofahrzeugen in die Höhe treiben, sind jedoch kurzfristiger Natur. Wenn sich die Elektromobilität immer weiter verbreitet, sich die Fahrer an die Unterschiede in der Handhabung und Beschleunigung von Elektrofahrzeugen anpassen und für die Werkstätten Reparaturen von Elektrofahrzeugen zunehmend zur Routine werden, sollten Letztere auch in der Lage sein, den Zeit- und Kostenaufwand für Reparaturen zu reduzieren. Das bedeutet, dass sich das Verhältnis zwischen Schäden an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und an Elektrofahrzeugen im Laufe der Zeit ausgleichen wird, insbesondere dank der Standardisierung von Ersatzteilen, Fortschritten bei Diagnosetools, einer besseren Verfügbarkeit geschulter Mechaniker und Fortschritten in der Akkutechnologie. Aktuelle Informationen der Insurance Association of China weisen darauf hin, dass die Schwere von EV-Vorfällen geringer ist als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Dies ist mit Wahrscheinlichkeit auf die hohen Produktionszahlen von Fahrzeugen für den Massenmarkt zurückzuführen, die die Reparaturkosten gesenkt haben.
Die KI und vernetzte Fahrzeuge treiben Chancen und Risiken an
Die KI verändert zweifellos unsere Denkweise über Autos und Fahrersicherheit. Die KI unterstützt Autos dabei, die Straße zu sehen, Entscheidungen zu treffen und sicher zu fahren – dank Fahrassistenzsystemen wie Notfall-Bremsassistent, Kollisionserkennung und Spurhalteautomatik, die schneller reagieren als Menschen und Unfälle verhindern können. Untersuchungen haben gezeigt, dass automatisierte Bremssysteme mit KI-Antrieb allein die Kollisionsgefahr am Heck um bis zu 50% reduzieren können.
Die KI ermöglicht es Versicherern, neue Fähigkeiten zu erlangen, die zur Neugestaltung der Kfz-Versicherungsbranche beitragen. Eine der wichtigsten Auswirkungen besteht darin, dass es Risikoprüfern ermöglicht wird, wesentlich detailliertere Daten zu analysieren, um beispielsweise eine Risikobewertung von Daten aus vernetzten Fahrzeugen, Fahrgewohnheiten, Routen und Tageszeiten zu ermöglichen. Durch die Analyse der Fahrgewohnheiten durch Telematikdaten ermöglicht die KI Versicherungsunternehmen eine weitere Personalisierung und dynamische Anpassung der Prämien auf der Grundlage individueller Risikostufen. Auch die Telematik hat sich seit ihrer Einführung in den 1990er Jahren erheblich weiterentwickelt und kann heute mit Hilfe videobasierter Technologien, wie z.B. Computer Vision, das Fahrverhalten genauer beurteilen, Unfälle vorhersagen und Fahrunfälle rekonstruieren. Die Akzeptanz von telematikbasierten Versicherungsprodukten ist jedoch nach wie vor begrenzt. Dennoch wird sich laut Untersuchungen des Beratungsunternehmens Berg Insights die Anzahl der in Europa und Nordamerika gehaltenen Telematikversicherungspolicen bis 2028 auf 43,9 Mio. belaufen. Den Vorteilen der Telematik stehen ethische Erwägungen gegenüber. Es muss sichergestellt werden, dass Daten zu Fuhrpark und Verbrauchern vertraulich behandelt werden und keine Vorurteile in den Underwriting-Prozess einfließen.
KI-Algorithmen werden verwendet, um Anomalien zu identifizieren und potenzielle betrügerische Ansprüche zu kennzeichnen. Betrug im Kfz-Versicherungsbereich kann von übertriebenen Schadensangaben über Geisterunfälle und inszenierte Unfälle bis hin zu erfundenen Diebstahlsmeldungen reichen. Der Versicherungskonzern Allianz hat berichtet, dass er im Jahr 2024 mehr als 33.000 Beispiele für Versicherungsbetrug in Höhe von mehr als 154 Mio. GBP aufgedeckt hat, was einem Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die KI trägt einerseits dazu bei, die Erkennung erfundener Versicherungsfälle zu erschweren, wird andererseits auch von Versicherern verwendet, um verdächtige Schadensmeldungen in Echtzeit zu erkennen und zur Überprüfung vorzumerken. Sie wird beispielsweise verwendet, um neue Versicherungsfälle mit historischen Daten zu vergleichen, bestimmte Muster im Zusammenhang mit betrügerischen Meldungen zu erkennen, z.B. Häufigkeit und ungewöhnliche Beträge, Inkonsistenzen in Schadensberichten und manipulierte Beweisfotos auszumachen und Standortdaten zu analysieren, um festzustellen, ob der gemeldete Unfallort mit dem Fahrverhalten des Anspruchsberechtigten übereinstimmt.
Darüber hinaus wird die KI eingesetzt, um die Schadensabwicklung zu beschleunigen, was Wartezeiten verkürzt und die Freigabe der für die Reparatur benötigten Teile beschleunigt, da diese nach einer Kollision automatisch an die Reparaturzentren geschickt werden können. Die KI kann auch Schadensformulare überprüfen, Schäden mit Policen und Limits abgleichen und sogar kleinere Versicherungsfälle nach leichten Unfällen ohne menschliches Eingreifen selbst genehmigen. Trotz der Vorteile gibt es auch Herausforderungen wie die Notwendigkeit, die anwendbaren Datenschutzgesetze einzuhalten und komplexe Ansprüche zu bearbeiten. In Kombination mit erfahrenen Schadensregulierern und Gutachtern hat die KI jedoch das Potenzial, der Versicherungsbranche Ersparnisse in Dollar-Milliardenhöhe einzubringen und Versicherungsfachkräften die nötige Zeit zu verschaffen, sich auf höherwertige Aktivitäten und Untersuchungen zu konzentrieren.
Wie alle technologischen Innovationen bergen die KI und vernetzte Fahrzeuge jedoch viele Risiken und machen Fahrzeuge anfällig für Cyberangriffe. Laut der EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) sind die Cyberbedrohungen für vernetzte Fahrzeuge zwischen 2020 und 2024 um 225% gestiegen. Diese Bedrohungen reichen von unbefugtem Fernzugriff auf Fahrzeuge bis hin zu KI-Manipulationen, die automatisierte Fahrfunktionen stören könnten. Im Jahr 2015 wurde ein Fahrzeug von zwei Sicherheitsforschern über das Internet gehackt. Sie waren in der Lage, das Lenkrad zu bewegen, die Bremsen zu deaktivieren und den Motor abzuschalten. In jüngerer Zeit, im Jahr 2024, entdeckten Sicherheitsforscher Schwachstellen im Starline-Service von Subaru, die es Hackern ermöglichten, Fahrzeuge zu kontrollieren und auf sensible Kundendaten zuzugreifen. Sie waren in der Lage, die Fahrzeugtüren zu entriegeln, das Fahrzeug aus der Ferne zu starten und anzuhalten und den Standort des Fahrzeugs in Echtzeit zu verfolgen. Auch Kia hatte mit Schwachstellen zu kämpfen, die es Hackern ermöglichten, Fahrzeuge lediglich anhand ihrer Nummernschilder zu orten und zu stehlen. Darüber hinaus kam es von Januar bis Mitte Februar dieses Jahres zu Ransomware-Angriffen auf Fahrzeuge in Europa, den USA und Asien. Die Anzahl der Vorfälle übersteigt die Anzahl im gleichen Zeitraum in 2024.
Viele Automobilhersteller testen und implementieren eine Reihe von Cybersicherheitsmaßnahmen, um Angriffe zu verhindern, wie z. B. KI-gesteuerte Sicherheitstools, mit denen unter anderem verdächtige Aktivitäten erkannt werden. Jaguar Land Rover hat eine KI-gestützte Funktion zur Erkennung von Anomalien implementiert, um Cyberbedrohungen in vernetzten Fahrzeugen zu erkennen. Ein globaler Automobilhersteller testete ein neues KI-basiertes System zur Intrusionserkennung, das erfolgreich bösartigen Code erkannt hat, der in das Infotainment-System des Fahrzeugs injiziert werden sollte. Das System war in der Lage, die betroffene Komponente zu isolieren und die Bedrohung zu neutralisieren.
Darüber hinaus werden auch gesetzliche Vorschriften erlassen, um strengere Protokolle zu gewährleisten, wie z. B. das Cybersicherheitsrahmenwerk 2025 für vernetzte Fahrzeuge im Vereinigten Königreich. Darüber hinaus versucht die KI-Verordnung der EU, eine Reihe von Anforderungen an die Cybersicherheit von KI-Systemen mit hohem Risiko festzulegen.
Den Weg für die Zukunft ebnen
Der globale Kfz-Versicherungsmarkt ist dynamisch und entwickelt sich rasant weiter. Die letzten Jahre haben große Herausforderungen für Kfz-Versicherer und -Rückversicherer mit sich gebracht, da sie mit erhöhter Inflation, geopolitischer Ungewissheit, extremen Wetterereignissen und Fortschritten bei Sicherheitsfunktionen und -technologien zurechtkommen mussten. Diese Faktoren bringen nicht nur kurzfristige Herausforderungen, sondern auch langfristige Fragen mit sich. Wenn wir diese Hürden überwinden und auf 2025 und darüber hinaus blicken, wird die Branche erneut mit der heiklen Aufgabe konfrontiert sein, Gewinne aus dem Underwriting auszugleichen und gleichzeitig die Versicherungsnehmer zu unterstützen. Handelskriege und der anhaltende technologische Wandel, einschließlich der Einführung autonomer Fahrzeuge, werden zweifellos zu noch mehr Komplexität führen. Bei der Kfz-Versicherung bieten sich jedoch auch beispiellose Innovationsmöglichkeiten.
In diesem Zusammenhang werden Rückversicherer wie Swiss Re für Kfz-Versicherer zu noch wichtigeren Partnern. Rückversicherer bieten Risikotransfer und Kapitalentlastung, um große Schadensfälle insbesondere bei Katastrophenrisiken, wie zum Beispiel Kfz-Kaskoschäden durch extreme Wetterereignisse und Verletzungen, zu absorbieren. So können Kfz-Versicherer wiederum ihre finanzielle Stabilität aufrecht erhalten, um ihre regulatorischen Verpflichtungen zu erfüllen und den laufenden Betrieb zu unterstützen. Rückversicherer bringen auch globales und lokales Know-how für Ihr Kfz-Portfolio mit. So können sie Ihnen mithilfe moderner Risikomodellierungstools bei Ihrer Risikobewertung helfen und Sie bei Entscheidungen zu den Themen Preisgestaltung, Versicherungsschutz und geografische Risiken beraten. Darüber hinaus kann die Rückversicherung bei Großschäden – z.B. bei Personenschäden – Fachwissen und Unterstützung bei der Rationalisierung von Schadensprozessen bieten und Benchmarking-Analysen durchführen, um Trends bei der Schadenshöhe zu erkennen und zu ermitteln, wie das Unternehmen im Vergleich zu seinen Konkurrenten abschneidet, was auch zu einer Verbesserung der Underwriting-Praxis beitragen kann.
Die Partnerschaft zwischen Rückversicherern und Kfz-Versicherern hat eine lange Geschichte und war entscheidend für die Bewältigung der komplexen Marktlage. Durch Risikotransfer und Expertise, die sich von traditionellen Themen der Kfz-Versicherung bis hin zu CASE-Trends erstreckt, kann Swiss Re zu einem widerstandsfähigeren und nachhaltigeren Versicherungssektur beitragen. Nicht nur, wenn die Fahrer selbst am Steuer sitzen, sondern auch in Zukunft, wenn die herkömmliche Kfz-Versicherung möglicherweise zunehmend durch die Produkthaftung ersetzt wird und Fahrer zu Passagieren werden.
Länderfokus: Deutschland
Ähnlich wie im Vereinigten Königreich hat sich die Zeit nach der Pandemie auf dem deutschen Kfz-Versicherungsmarkt als besonders schwierig erwiesen.
Während 2020 und 2021 deutlich positive Ergebnisse erzielt wurden, führte die Zunahme der Verkehrsdichte ab 2022 zu einer Zunahme der Schadenshäufigkeit:
- Die Zahl der Ansprüche aus Kfz-Haftpflicht-Policen stieg von 2022 auf 2023 um 6,9% und 2024 um weitere 4,5%.
- Die Anzahl der Versicherungsansprüche im Rahmen der Kasko-Versicherung stieg 2023 um 7,4% – ein deutlicher Anstieg, gefolgt von einem nur geringfügigen Rückgang von 0,6% im Jahr 2024.
In Deutschland steigt die Anzahl der Autos auf der Straße jedes Jahr um rund 1%, wobei die Verkehrsdichte auch allmählich aufgrund von Trends wie der Urbanisierung und dem Abbau von Fernarbeit zunimmt. Darüber hinaus herrscht in großen Städten ein Wohnungsmangel, der längere Pendelzeiten erfordert, was wiederum zu einer Zunahme der Verkehrsdichte und einer Erhöhung der Schadenshäufigkeit führt.
Gleichzeitig hat auch die Schwere der Kfz-Versicherungsansprüche deutlich zugenommen. Externe Einflüsse wie der Krieg in der Ukraine haben die deutsche Wirtschaftslage in den letzten Jahren stark beeinflusst, während der Automobilmarkt eine überdurchschnittlich hohe Inflation erlebt hat:
- Laut GDV stiegen die Ersatzteilpreise zwischen 2023 und 2024 um 6,2%, während der Verbraucherpreisindex (VPI) um 2,3 % anstieg.
- Auch die Löhne von Mitarbeitern von Reparaturwerkstätten stiegen zwischen 2023 und 2024 um 7,9% und übertrafen damit den durchschnittlichen nationalen Lohnanstieg von 5,4%.
- Zwischen 2017 und 2024 verzeichneten die Lohnkosten von Reparaturwerkstätten eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 6 % und Ersatzteile gar eine von Inflation von 6,2%. Der VPI stieg im selben Zeitraum um 3,1% pro Jahr.
Es gibt jedoch auch mehrere andere externe Faktoren, die die Schwere der Ansprüche erhöhen:
2023 kam es im Bereich der MOD-Ansprüche aufgrund extremer Hagelstürme zu großen Verlusten, dies nur zwei Jahre, nachdem schon die Hagelstürme von 2021 die Schäden im Kfz-Bereich massiv erhöht hatten (siehe Abb. 17):
- Im Fall der Kfz-Haftpflicht sind die Gesundheits- und Pflegekosten für verletzte Personen aufgrund des extremen Fachkräftemangels im deutschen Markt weiter gestiegen. Im Gegensatz zu anderen Märkten wird die Betreuung der Versicherungsnehmer in Deutschland so lange abgedeckt, bis die Opfer sich erholen oder versterben, was die Kosten erheblich steigern kann.
- In den letzten Jahren waren auch deutsche Reparaturwerkstätten von Lieferkettenunterbrechungen betroffen. Da die Vorlaufzeiten bei der Beschaffung von Ersatzteilen immer länger werden, sind auch die Kosten für Mietwagen, die von Versicherungsnehmern als alternative Transportmittel benötigt werden, höher, da sie für längere Zeiträume erforderlich sind. Obwohl Lieferkettenunterbrechungen nach wie vor eine Herausforderung darstellen, sind sie aktuell nicht mehr so verbreitet wie in den Vorjahren.
Aufgrund dieser Faktorkombination hat sich die Schadensintensität deutlich erhöht und so in den letzten Jahren zu einer deutlichen Verschlechterung der Gesamtergebnisse am deutschen Kfz-Versicherungsmarkt beigetragen.
Im Jahr 2023 kam es zu einer Reduzierung des nominalen Ergebnisses um 11,3%, bedingt durch eine deutlich schlechte Kasko--Performance (-25,3%) aufgrund extremer Schäden durch Naturkatastrophen, einer hohen Inflation und zu niedrigen Prämien.
Als Reaktion auf diese schlechten Ergebnisse kam es 2024 zu einem deutlichen Anstieg der durchschnittlichen Prämien (plus 8,4% bei Kfz-Haftpflicht und 10,2% bei Kasko, was die Situation verbesserte, aber noch nicht genug war, um ein positives nominales Ergebnis zu erzielen:
- Kfz-Haftpflicht im Jahr 2024: Die Häufigkeit der Ansprüche ging um 1% zurück, während die Schwere der Ansprüche inflationsbedingt um 5,6% zulegte. Allerdings verringerte sich die Schadenquote, da die durchschnittlichen Prämien angemessen erhöht wurden.
- Kasko im Jahr 2024: Während in Bezug auf Naturkatastrophen ein typisches Jahr zu verzeichnen war, lag der Schaden-Kosten-Gesamtsatz deutlich über 100%.
Insgesamt erzielte Kfz-Haftpflicht für 2024 ein nominales Ergebnis von +2%. Trotz des Rückgangs von -25,3% aus 2023 verzeichnete Kaskoim Jahr 2024 jedoch noch ein nominales Ergebnis von -12,0%. In Summe sank das nominale Ergebnis von -11,3% im Jahr 2023 auf -3,9% im Jahr 2024.
Um das Ungleichgewicht noch weiter zu korrigieren, wurde 2025 erneut ein deutlicher Anstieg der Prämien (11% bei Kfz-Haftpflicht, 15% bei Kasko) verzeichnet, dem in diesem Jahr voraussichtlich ein positives nominales Ergebnis von 1% für den deutschen Kfz-Versicherungsmarkt zu verdanken sein wird.
Es gibt jedoch mehrere langfristige Trends, die sich auf die künftige Rentabilität auswirken könnten:
- In Deutschland liegt ein wichtiger Schwerpunkt auf der Verbesserung der Verkehrssicherheit, während Fahrzeuge durch technische Verbesserungen und neue Technologien wie erweiterte Fahrerassistenzsysteme (ADAS) sicherer werden. Dies könnte die Häufigkeit von Schadensfällen verringern, wobei teurere Funktionen wie ADAS den Schweregrad von Ansprüchen jedoch erhöhen könnten.
- Als Gegengewicht zu diesen Sicherheitsverbesserungen gibt es ein Problem mit abgelenkten Fahrern, wenn während der Fahrt Smartphones oder Bordunterhaltungssysteme verwendet werden.
- Die zukünftigen Auswirkungen von Naturkatastrophen (vor allem Hagelstürme) bleiben ungewiss. Meteorologen sind sich immer noch nicht einig , ob die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu häufigeren, dramatischeren Hagelstürmen führen werden, was entscheidend ist.
- Elektrofahrzeuge (EV) können die Schadensintensität weiter erhöhen. Da beim Design oft die Leichtgewichtigkeit priorisiert wird, können Schäden zum Austausch großer Komponenten und somit zu Kostenerhöhungen führen. Elektrofahrzeuge machen derzeit jedoch weniger als 5% des Marktes aus. Die deutsche Regierung beendete kürzlich aufgrund von Budgetbeschränkungen ihr EV-Subventionsprogramm, das 2016 eingeführt worden war, um Anreize für Käufe zu schaffen.
- Geopolitische Unsicherheiten können auch dazu führen, dass es künftig zu Handelskriegen und einer Einführung von Zöllen kommt, die die Marktinflation in Bezug auf Aspekte wie Ersatzteilkosten erheblich beeinflussen könnten.