Weihnachten vor 20 Jahren: Die Stürme Lothar und Martin richten verheerende Schäden in ganz Europa an

-Das 20. Jahrhunderts ging mit zwei Jahrhundertstürmen zu Ende. Am 26. Dezember 1999 traf der Sturm Lothar vom Atlantik kommend auf das Festland und bewegte sich innerhalb weniger Stunden mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde durch Frankreich, die Schweiz und Südwestdeutschland. Mit verheerenden Folgen. Nur einen Tag nach Lothar setzte sich Sturm Martin in Bewegung. Er zog von Frankreich nach Spanien, Korsika und Norditalien, ebenfalls mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern.

Eine Spur der Verwüstung

140 Menschen starben bei den beiden Stürmen und den anschließenden Aufräumarbeiten, vor allem in Wäldern in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Auf ihrem Weg durch Europa knickten Lothar und Martin 200 Millionen Kubikmeter Wald wie Streichhölzer.

Lothar führte zu volkswirtschaftlichen Schäden in Höhe von mehr als 15 Milliarden Euro, wobei 8,4 Milliarden Euro - mehr als die Hälfte des Gesamtbetrags - von den Versicherern ausgezahlt wurden. Der von Martin verursachte Schaden betrug 6 Milliarden Euro, wovon 3,4 Milliarden Euro von Versicherungsgesellschaften getragen wurden. 

Frankreich von beiden Stürmen heimgesucht

Beide Stürme begannen vor der französischen Atlantikküste und trafen auf das Land im Westen Frankreichs. Von den 140 Todesfällen in Europa verloren 88 allein in Frankreich ihr Leben.

Auch die Infrastruktur des Landes wurde außerordentlich belastet: Die Stürme verwüsteten rund 60 Prozent der Dächer in der Region Paris und beschädigten über 80 Prozent der Gebäude in den umliegenden Städten. 140 Millionen Kubikmeter Wald wurden verwüstet.

Mehr als 200 Strommasten stürzten um, so dass mehr als drei Millionen Haushalte tagelang ohne Strom waren. Insgesamt gingen mehr als drei Millionen Schadensfälle bei Versicherungsgesellschaften in Frankreich ein.

Lothar  ̶  ein Jahrhundertsturm?

Bevor Lothar und Martin über Europa fegten, war der Hurrikan Daria 1990 der bis dato teuerste Sturm. Lothar ist nicht nur einer der teuersten Stürme der letzten 50 Jahre, sondern gilt auch als der schwerste Sturm in Europa seit 1876 und verursachte auch die meisten jemals in Mitteleuropa aufgetretenen Waldschäden.

Der nächste große Sturm wird kommen

Der Sturmcluster 1999 brachte mehrere Versicherer, ja ganze Versicherungsmärkte an die finanziellen Grenzen. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, sich auf solche Spitzenereignisse vorzubereiten.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass mehrere Bereiche entscheidend sind:

  • Über die spezifische Ereignisdefinition in einem Rückversicherungsvertrag (z.B. eine 72-Stunden-Klausel) kann eine unerwartete Aggregation auftreten. 
  • Rückversicherungsprodukte wie CatXLDeckungen mit einer oder mehreren Wiedereinsetzungen, Dropdown-Mechanismen (z.B. geringere Selbstbeteiligung bei Zweitereignissen) oder Aggregate XL-Deckungen können von mehr als einem starken Sturm während ein und derselben Vertragslaufzeit betroffen sein.
  • Das gleichzeitige Auftreten von starken Stürmen verursacht große Verluste und hat daher erheblichen Einfluss auf Solvenzüberlegungen. Regulierungsbehörden erwarten von Versicherungsunternehmen, dass sie darlegen können, wie sich Sturmclustering auf ihr Portfolio auswirkt. 
  • Mit der Vielzahl der Schadensfälle werden Prozesse überfordert.

Der nächste Wintersturm kommt bestimmt. Stellen wir gemeinsam sicher, dass Sie und Ihre Kunden die Widerstandsfähigkeit haben, die Folgen starker Stürme erfolgreich zu meistern.

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