Der Klimawandel wird für Deutschland teuer

Was hat uns der April doch für ein Bilderbuchwetter beschert. Sonne satt und von Regen keine Spur. Wäre Corona nicht gewesen, wir hätten ihn in vollen Zügen genießen können.

Doch das schöne Wetter entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Zeichen des drastischen Klimawandels. Nur 5% der üblichen Regenmenge sind im April gefallen. Der schneearme Winter hatte schon kaum für Feuchtigkeit gesorgt. Hinzu kommt, dass dem Frühjahr 2020 zwei extrem trockene Jahre vorangegangen sind. Welchen Beitrag kann die Versicherungswirtschaft leisten, um die Folgen des Klimawandels zu bewältigen?

Der Temperaturanstieg in Deutschland liegt über dem globalen Durchschnitt

Nachdem das Klima etwa 12 000 Jahre lang relativ stabil geblieben ist, ändert sich das globale Klima mit Temperaturen, die 1,0°C über der vorindustriellen Zeit liegen. In Deutschland sind die Temperaturen seit 1881 sogar um 1.4°C gestiegen. 2018 und 2019 gelten als die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung und bereits das erste Quartal 2020 zählt zu den wärmsten seit 100 Jahren laut DWD. Der Klimawandel lässt die Temperaturen in Deutschland damit noch stärker steigen als im globalen Durchschnitt.

Abweichung der Lufttemperaturen (Mittel der einzelnen Jahre) zwischen 1881 und 2018 gegenüber dem Mittelwert 1961-1980.

Quelle: DWD 2019: https://www.dwd.de/DE/leistungen/besondereereignisse/temperatur/20190102_waermstes_jahr_in_deutschland_2018.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Extreme Wetterereignisse in Deutschland nehmen zu

Klimawandel und steigende Temperaturen verändern die Risikolandschaft und damit die Risiken, denen wir ausgesetzt sind.

Extreme Wetterereignisse werden in Deutschland zunehmen, vor allem Hitzewellen und Dürre, aber auch Flut. Es klingt paradox, aber beide Naturkatastrophen sind die zwei Seiten der Klimamedaille.

Denn mit steigenden Temperaturen nimmt die Luft in der Atmosphäre mehr Wasser auf. Pro Grad sind das etwa7% mehr. Wasser, das vermehrt in Form von Starkregen ganze Landstriche überflutet oder als Hagel verwüstet. Jedes zusätzliche Grad erhöht daher die Gefahr von Starkregen in Deutschland deutlich.

Der Klimawandel wirkt sich außerdem auf Saisonalität, Schwere und Häufigkeit von Hochwasserereignissen aus. Gerade die Schwere der Überschwemmungen hängt nicht nur von den Niederschlagsmengen und dem Ausmaß der Oberflächenversiegelung ab, sondern auch von Bodenfeuchtigkeit, Schneeschmelze und dem Auftreten von anhaltenden Wettermustern, die allesamt von den Erwärmungstemperaturen beeinflusst werden. (Quelle: sigma 2020/02 Extra Europe)

Gleichzeitig nehmen in vielen Regionen Deutschlands Regenfälle ab und die Häufigkeit von Niederschlägen sinkt. Hinzu kommt, dass sich die Anzahl heißer Tage seit 1950 verdreifacht hat und Hitzewellen zunehmen. Die Folge: Der Boden trocknet aus. Der Blick auf den Bodenfeuchteindex von Deutschland offenbart die Dramatik. Der Boden ist bis zu einer Tiefe von 1,80 Meter zum Teil extrem ausgedörrt.

Quelle: UFZ-Dürremonitor/Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Nicht zuletzt nimmt die Waldbrandgefahr seit Jahrzehnten signifikant zu und wird bei fortschreitender Erwärmung zu einer Begleiterscheinung jedes Sommers werden.

Quelle: DWD, 2020

Der Klimawandel kommt Deutschland teuer zu stehen

Die zunehmende Häufigkeit der extremen Wetterereignisse wird in den nächsten Jahren hohe finanzielle Belastungen für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft bringen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von Kosten in Höhe von fast 290 Mrd. EUR bis 2050 aus. Am stärksten wird es sich auf den Energie- und Verkehrssektor auswirken. Doch mit etwa 100 Milliarden EUR ist auch die Finanz- und Versicherungswirtschaft betroffen, da Versicherungsfälle durch Naturkatastrophen deutlich zunehmen werden.

Ohne Versicherungswirtschaft wird Deutschland den Klimawandel nicht meistern

Die Versicherungswirtschaft leistet einen signifikanten finanziellen Beitrag zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2100 der finanzielle Schaden durch Naturkatastrophen bei 1-20% des globalen GDP liegen wird, 2019 waren es noch 0,17%. Der globale volkswirtschaftliche Schaden lag 2019 bei 146 Mrd. USD, wovon lediglich 60 Mrd. USD durch Versicherungen gedeckt waren. Die Deckungslücke ist selbst in Europa enorm: Von Schäden in Höhe von 13,4 Mrd. USD waren nur 5,4 Mrd. USD durch Versicherungen abgedeckt.

Der Klimawandel trifft Versicherer mehrfach

Der Klimawandel ist für die Versicherer eine zunehmende Herausforderung. Extremwetterereignisse in Kombination mit einer zunehmenden Urbanisierung und damit einhergehend einer Wertezunahme und -konzentration lassen die Kosten für Versicherer deutlich steigen. Der Klimawandel bedroht das Vermögen der Versicherer aber auch in Form von Übergangsrisiken auf dem Weg zu einer Null-Kohlenstoff-Wirtschaft: Investitionen in besonders exponierten Industrien wie Öl- und Kohleförderung könnten mittel- oder langfristig stark an Wert verlieren. Dennoch führt kein Weg an der Dekarbonisierung des Geschäfts und der Versicherungsunternehmen selbst vorbei.

Lösungen für eine klimafreundliche Zukunft

Zahlreiche Finanzaufsichtsbehörden haben in den letzten Jahren Richtlinien zur Nachhaltigkeit veröffentlicht. Die britische PRA schreibt sogar Anpassungen in Naturkatastrophenmodellen bezüglich Frequenz und Stärke für klimabezogene Stresstests vor. So weit geht die BaFin noch nicht.

Wir unterstützen unsere Kunden bei der Entwicklung von Lösungen für die Bewältigung der ökologischen Herausforderungen und um auf die sich ändernden Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Wir konzentrieren uns dabei auf drei Bereiche:

  • Verringerung des Klimarisikos und Vorantreiben der Energiewende
  • Aufbau gesellschaftlicher Widerstandsfähigkeit
  • Förderung erschwinglicher Versicherungen mit digitalen Lösungen

Auch wenn COVID-19 den Klimawandel von den Titelseiten verdrängt hat, er gehört ganz oben auf die Agenda. Nur wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam entschlossen an der Verringerung der Erderwärmung arbeiten und Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels auf den Weg bringen, werden die Risiken beherrschbar und finanzierbar bleiben. Die Versicherungswirtschaft wird dabei eine zentrale Rolle einnehmen.

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    Mike Mitchell Head P&S Underwriting Reinsurance